Monatsgruß im Juni

Lege mich wie ein Siegel auf Dein Herz, wie ein Siegel auf Deinen Arm.

Denn Liebe ist stark wie der Tod. (HL 8,6)

 

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

mit dem Monatsspruch für den Monat Juni grüße ich Sie im Namen des Schulreferentinnen-Teams ganz herzlich.

Mir ist dieses Wort aus dem Alten Testament, genauer gesagt aus dem Hohen Lied der Liebe, das erste Mal bei der Trauung einer Freundin begegnet. Es war ihr Trauspruch, den unser Seminarleiter, der sie traute, nach allen Regeln der Exegese auslegte. Es war eine brillante Exegese, aber leider auch ein bisschen langweilig. Es fehlte der Bezug zum Brautpaar. Und statt brennend vor Begeisterung verließ man die Kirche doch leicht irritiert. Ich persönlich war für meine Freundin ein wenig traurig, weil sie für diesen besonderen Tag eine solche Predigt bekommen hatte.

Warum erzähle ich das? Weil ich durchaus Parallelen zur Schule sehe. Wir können Religions-Unterricht nach allen Regeln der Kunst machen, perfekt in Didaktik und Methodik, aber wenn wir unsere Schülerinnen und Schüler nicht im Fokus haben, springt womöglich nichts über. Unterricht ist auch - und je länger ich selbst unterrichte, desto mehr komme ich dazu - Beziehungsarbeit.

Ich durfte neulich bei einer Lehramtsprüfung dabei sein. Bei dem jungen Kollegen war ganz deutlich zu merken: Er mochte seine Schülerinnen und Schüler - und sie mochten ihn. Damit sprang auch inhaltlich ein Funke über, der begeisterte. Übrigens nicht nur die Lerngruppe, sondern auch die Prüfungskommission. In dieser Religionsstunde passierte  ganz viel, sowohl auf der emotionalen Ebene, als auch auf der kognitiven. Man ging bereichert heraus.

Nun weiß ich auch, dass nicht alle Lerngruppen so sind. Und, ja, es gibt herausfordernde Schülerinnen und Schüler. Provozierend, pubertierend, anstrengend. Und von einem überspringenden Funken scheint man da mehr als nur etwas entfernt zu sein. Und doch heißt es in unserem Monatsspruch: „Liebe ist stark wie der Tod.“ Die Osterzeit ist gerade erst vorbei. Gottes Liebe hat den Tod besiegt. Damals, als in Golgatha alles aus zu sein schien. Als alles verloren schien, alle Hoffnungen begraben wurden. Und dann kam der dritte Tag …

So anstrengend unser Schulalltag auch immer wieder sein kann, es ist noch nicht aller Tage Abend. Deshalb: Verlieren Sie nicht die Hoffnung. Auch nicht in diesen letzten Wochen vor den Ferien. Unsere Schülerinnen und Schüler brauchen Sie.

Ich wünsche Ihnen gute letzte Schulwochen!

Herzliche Grüße

Ihre Sabine Schmitz