Um miteinander in Kontakt zu bleiben...

 

„Der Geist des Herrn erweckt den Geist in Sehern und Propheten,

der das Erbarmen Gottes weist und Heil in tiefsten Nöten.

Seht, aus der Nacht Verheißung blüht;

die Hoffnung hebt sich wie ein Lied und jubelt: Halleluja.“

 

Maria Luise Thurmair, Gesangbuch der Herrnhuter Brüdergemeine 380,2

gefunden in „Die Losungen 2020“ zum 08.06.2020

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit Freitag wissen wir es – die Grundschulen werden mit dem 15. Juni alle Kinder wieder herzlich willkommen heißen. Es soll „zu einem Regelbetrieb mit Unterricht möglichst gemäß Stundentafel“ 1 zurückgekehrt werden. Alle Fächer sind gleich wichtig, wenn die Schule öffnet. Auch der Religionsunterricht kann erteilt werden, wenn die Religionslehrer*innen im Präsenzdienst sind. Viele von Ihnen sind nach dem 03. Juni in den Präsenzdienst zurückgekehrt. Wir haben vor einigen Wochen schon in den wöchentlichen Lehrer*innen Cafés Ideen ausgetauscht und gesammelt, wie wir denn im Religionsunterricht beginnen könnten. Gutes Gelingen wünsche ich allen – fühlen Sie sich frei zu bedenken, was in der Kürze der Zeit überhaupt (fachlich) erreicht werden kann.

An dieser Stelle hätte vielleicht stehen können, wie ich persönlich auf diese Öffnung schaue. –  Ich wünsche uns allen, dass der Entschluss des Ministeriums zur Öffnung ein weiser ist, dass er dem Leben, dem Lernen, dem Frieden miteinander dient und damit auch Gesundheit fördert. …

Im Lehrer*innen Café nach Pfingsten beschäftigte uns die Notengebung, denn alle Lehrer*innen sind gerade damit beschäftigt, Noten festzuschreiben und die Zeugnisse auszufertigen. Plötzlich taucht noch intensiver als zuvor die Frage auf, ob die einzelne Note denn gerechtfertigt ist. Das haben Sie selbstverständlich immer verantwortlich im Blick gehabt, aber jetzt nach den vielen Wochen Distanzbeschulung ohne die persönliche Begegnung, ohne bewertbare Leistungen und ohne die Wahrnehmung von Progression kommt die Aufgabe der Benotung Ihnen vielleicht auf andere Weise nahe. „Ich habe doch zum Halbjahr die bessere Note gegeben. Sie sollte motivieren, aber mit ihr wollte ich noch nicht die Gymnasialbefähigung ausdrücken. Jetzt muss ich diese Note übernehmen. Was wird jetzt aus dem Kind?“ Genauso stellt sich die Frage nach der Benotung in den weiterführenden Schulen – Abschlüsse sind daran gebunden, Chancen für den Zugang zu Ausbildung oder Studium damit verbunden.

„Für den gesamten Zeitraum seit Beginn der Schulschließung gilt, dass Leistungen, die während des Lernens auf Distanz erbracht wurden und werden, nur für eine Verbesserung der Abschlussnote herangezogen werden können. Nicht erbrachte oder nicht hinreichende Leistungen hingegen werden nicht in die Zeugnisnote einbezogen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Gründe für die Nichterledigung oder die geminderte Qualität der Bearbeitung vorgelegen haben mögen, die nicht von den Schülerinnen und Schülern zu verantworten sind.“ 2

Hat es diese zuletzt genannten Gründe möglicherweise bereits vorher an der ein oder anderen Stelle auch schon gegeben? Ich erinnere mich an einen Schüler, der seine Großmutter hingebungsvoll gepflegt hat und die Schülerin, die sich um die Geschwister kümmern musste, da die Eltern dazu nicht in der Lage gewesen sind. In beiden Fällen hätte dem Umstand Rechnung getragen werden müssen. …

Noten haben unterschiedliche Funktionen – sie können motivieren, sie können disziplinieren, … . Eine weitere ist die Zuteilungs- oder Allokationsfunktion: Sie tragen dazu bei durch Vergabe von Qualifikation zur Verteilung beruflicher Positionen in unserer Gesellschaft beizutragen. Anders gesagt, wenn du fleißig lernst, kannst du einen spannenden Beruf erlernen und viel Geld verdienen. Wenn du nicht fleißig lernst, wird deine Zukunft anders aussehen. Angesprochen hat mich, dass das Ministerium sieht, dass es Gründe geben kann, die nicht in der Verantwortung des/r Einzelnen stehen. Darüber werden wir auch nach der Pandemie nachdenken müssen.

Ein Kollege aus dem Café formulierte mit Blick auf das Dilemma der aktuellen Notengebung, dass die pädagogische Herausforderung auch im kommenden Schuljahr darin bestehen wird, die Schüler*innen aller Altersgruppe je und je wahrzunehmen, zu begleiten und zu fördern. – Ich ergänze: Vielleicht werde ich bewusst etwas zurückhaltender in meiner Erwartung, was alles schon da sein müsste und stärke ermutigend das, was vorhanden ist und an dem sich Weiteres anlagern kann. – Aber vielleicht haben wir auch dies alle, längst und immer so gemacht.

Gerne treffen wir Sie am Dienstag um 16:00 Uhr im Webinar zur Pädagogische Qualität in Zeiten des Fernunterrichts oder um 19:00 Uhr im Online–Workshop Umgang mit Verschwörungsideologien im Bildungsalltag – Intervention und Argumentation für Multiplikator*innen.

Am Mittwoch findet auch das Lehrer*innen-Café bei uns statt, das Sie natürlich auch dienstags in Essen besuchen können.

Anmeldungen zu allen Angeboten sind zeitnah noch möglich! 

Seien Sie behütet und zuversichtlich -

für das Team des Schulreferates

Ihr

Jan Christofzik

 

 https://www.schulministerium.nrw.de/docs/bp/Ministerium/Schulverwaltung/Schulmail/Archiv-2020/200605/index.html

Foto: Jan Christofzik  in der Balance