Monatsgruß im Mai

Rodolfo Quevenco, Pixabay

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Gruß zum Monat Mai erreicht Sie aus Jerusalem. Mit einer Gruppe von Kolleg:innen folge ich den Spuren Jesu. Wir wandern gemeinsam von Bethlehem nach Jerusalem, treffen dabei Vertreter:innen unterschiedlicher Religionen und kommen unterwegs miteinander ins Gespräch.

Als ich mich zu dieser Fortbildung angemeldet habe, war Corona das beherrschende Thema. Doch je näher die Reise rückte, je mehr schoben sich andere Ereignisse bedrohlich in den Vordergrund. Unser Flugzeug startet, während es vor der Al-Aksa-Moschee erneut zu Ausschreitungen zwischen israelischen Polizist:innen und Palästinenser:innen kommt. Die Situation in Jerusalem ist in besonders konfliktträchtig, weil sich in diesem Jahr das jüdische Pessachfest, der muslimische Ramadan und das christliche Ostern zeitlich überschneiden. Was trennt uns Glaubende? Was eint uns? Es sind vor allem Fragen, die uns, Pilgernde auf den Spuren Jesu, in diesen Tagen umtreiben.

Ich sehe im Bild den Stacheldraht und denke an die Dornenkrone, die Soldaten Jesus aufgesetzt hat - Zeichen von Spott und Hohn, Symbol der Überlegenheit von Machthabenden gegenüber denen, die sie demütigen können. Bilder vom umzäunten, belagerten Azovstal-Stahlwerk in Mariupol gehen mir nicht aus dem Kopf. Der Krieg wird nicht nur mit Waffen geführt. Auch Isolation, Aushungern und Machtwillkür gegenüber Zivilist:innen werden als Waffen eingesetzt. Was trennt uns Menschen? Was eint uns?

Im Hintergrund des Bildes leuchtet, wenn auch verschwommen, das Dach der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg. Ihre goldene Kuppel strahlt über der Altstadt von Jerusalem. Sie zieht Gläubige aller Religionen an, auch die, denen andere Orte in Jerusalem heilig sind. Was trennt uns? Was eint uns?

Ich folge der Spur von Jesus und erinnere mich, was Menschen damals an ihm fasziniert hat und bis heute an ihn bindet. Für Jesus war es nicht wichtig, welche Religion oder Herkunft jemand hatte und was eine getan hat. Für Jesus zählte, dass Menschen sich jederzeit ändern und sich darauf besinnen können, wem sie ihr Leben verdanken. Auch Jesus stellt Fragen in den Raum: Wofür willst du leben? Welche Spuren möchtest du mit deinem Leben hinterlassen? Wie kannst du deinem Mitmenschen zum Nächsten werden? Wie Gottes Liebe weitergeben?

Die goldene Kuppel in Jerusalem ist für mich Sinnbild der Sehnsucht nach Gott in unserer Mitte. Damit das Leben gelingen kann, brauchen wir solche Sehnsuchtsorte, die uns daran erinnern: Gott ist mitten unter uns. Mitten in unserer zerrissenen Welt erinnert die Schönheit der Kuppel an Gottes Verheißung für uns Menschen: Ich will euch segnen!

Und so ist mein Wunsch für Sie, gerade in dieser schwierigen Zeit: „Empfangt, was ihr seid, bleibt, was ihr empfangt: Segen Gottes.

Wir wünschen Ihnen, dass Sie im Monat Mai aus Gottes reichem Segen leben können.

Im Namen des Teams des Ev. Schulreferats Duisburg/Niederrhein

Ihre Annette Vetter