Monatsgruß im Januar

 „Kommt und seht!“

Liebe Kolleg*innen,

ein Stern an einem Fenster: In den letzten Wochen ein vertrautes Bild. Doch werden jetzt auch die letzten weihnachtlichen Stücke verpackt und weggestellt. Das Fenster bietet nun wieder einen weiten Blick auf einen winterlichen Straßenabschnitt.  Es ist Januar in einem neuen Jahr.

„Soll das etwa alles gewesen sein?“ habe ich als Kind angeblich einmal empört gefragt, als die Weihnachtssachen weggeräumt waren. Alles war – na ja, eben wie immer, an diese Enttäuschung erinnere ich mich noch gut. Und doch meinte ich, noch einen Hauch, eine Erinnerung davon zu spüren, was mir in den letzten Wochen an weihnachtlicher Sicht möglich gemacht worden war.

Letztlich glaube ich, dass ich bis heute immer noch von diesem Hauch, von dieser Erinnerung zehre. Es ist eben nicht alles gewesen und jetzt ist es weg. Natürlich ist die Welt so, wie sie ist (und ich natürlich genauso mit) und hat sich nicht mysteriös und temporär verklärt durch unser jährliches Weihnachtsfest. So, wie auf dem Bild die Straße bleibt, wie sie ist, ob mit Stern in meinem Fenster oder ohne.

Jedoch lädt mich dieser Stern ein: zum Sehen. Er zeigt mir einen Ausschnitt. Und meine Augen wandern nicht hin und her, vom Nachbarhaus zum Baum, dann zum Auto, dann zum grauen Himmel und so fort. Meine Augen sehen durch den Ausschnitt ein ganz neues Bild, eine ganz neue Schönheit dieser Straße vor meinem Fenster. Eingerahmt von den Farben des Regenbogens: von hell bis dunkel, die Facetten des Lebens, der Welt.

Neu Sehen können auf das, was ist, es manchmal freudig begrüßen, es manchmal schwer ertragen: Alles ist durch Gottes Gegenwart in einen Rahmen gesetzt. Jetzt kann ich hinsehen, Hoffnung schöpfen, Kraft tanken, mich gehalten wissen und andere Menschen voller Interesse und ohne Vorbehalte fragen: „Was siehst du?“

Der Monat Januar beginnt das Jahr mit dem Monatsspruch: Jesus Christus spricht „Kommt und seht!“ (Johannes 1,39). „Kommt und seht!“ ist eine Einladung, die Welt und uns im Rahmen von Gottes lebendiger Gegenwart, im Rahmen der Weihnachtsbotschaft zu sehen.

Vertreter*innen aus Kunst, Philosophie und vielen anderen Fachrichtungen haben uns so wunderbare Gedanken über das Sehen geschenkt.  In unserem Alltag nennen es einige Menschen „Fokussieren“, andere „Konzentrieren“ und wieder andere vielleicht „Dekorieren“. Oder „man sieht nur mit dem Herzen gut“. Alle diese Sichtweisen sind auch richtig und hilfreich, aber sie treffen es nicht in dieser gewaltigen Schlichtheit: „Kommt und seht!“

Das neue Jahr ist noch jung und hoffentlich war Ihnen und Euch ein bisschen Erholung in den Weihnachtsferien möglich. Wir wissen, wir brauchen neue Kraft und oft auch einen guten Blick auf alles, was kommen wird. Die Pandemie macht uns dünnhäutig und fordert uns sowohl in unserer Professionalität als auch privat in vielerlei Hinsicht langfristig heraus. Wir treffen Entscheidungen und tragen Regeln mit, die wir als Pädagog*innen und auch oft für das Fach Religion eigentlich nicht gutheißen können. Nicht alles ist eine Frage der Sichtweise und verhandelbar.

Auch für uns im Evangelischen Schulreferat Duisburg-Niederrhein bringt das neue Jahr Veränderungen mit: Durch Annette Vetter wird ab 1. Februar 2022 unser Team nach langer Zeit wieder komplett sein. Herzlich willkommen, liebe Frau Vetter! Sie können Frau Vetter und auch Frau Schmitz bei den gemeinsamen Fortbildungen und Begegnungen kennenlernen (und Frau Siebers und mich wieder treffen). Wir freuen uns, wenn Sie den Weg auch im nächsten Halbjahr zu uns und in unsere Veranstaltungen finden. Das Programm können Sie wie gewohnt zum neuen Schulhalbjahr einsehen.

Ihnen allen wünsche ich einen guten (Schul)Start ins Neue Jahr, gerahmt und begleitet von Gottes Schutz und Segen. Und vielleicht entdecken Sie und Ihr hin und wieder einen Stern und hört: „Kommt und seht!“

Mit allen guten Wünschen im Neuen Jahr auch im Namen des Teams für Sie, Euch, unsere Lieben und uns Anvertrauten,

Ihre Hanna Sauter-Diesing.