Um miteinander in Kontakt zu bleiben...

Am vergangenen Wochenende – als es so regnerisch war, musste ich dringend den Rasen mähen. Die Rotkehlchen waren mit dem Schnabel dabei. Ich lernte, die beiden zu unterscheiden, während sie meine Arbeit abwechselnd inspizierten. Die Fütterungszeit hat begonnen und sie sind sehr engagierte Eltern. Ihre Beobachtung und der Kontakt im sonst auf Abstand angelegten Alltag machten mich glücklich, stimmten mich froh und zuversichtlich.

„… Was macht dass ich so fröhlich bin

In meinem kleinen Reich …“

aus: Hanns Dieter Hüsch – Joan Miró, Das kleine Buch zwischen Himmel und Erde, Düsseldorf 82013, 4

Das sind meine Themen – glücklich, froh und zuversichtlich zu bleiben.

Mit jedem Tag – beinah stündlich sogar beginnt und erwartet Sie mit Blick auf Schule wieder Neues – im Homeoffice und Online Unterricht. Dass für die einen zunächst so weiter gehen wird (vielleicht bedauerlicherweise, da Sie einer sog. Risikogruppe angehören) und für die anderen, die sich freuen (oder sind auch Sie in ihren Gefühlen ambivalent) ihre Schüler*innen in der Schule wiederzusehen. Gleichzeitig werden die einen wie die anderen weiterhin digital arbeiten müssen. Erfahren habe ich, dass manche es geschafft haben Schüler*innen, die kein Mobiles Endgerät hatten, ein solches zukommen zu lassen. Manche halten engen Kontakt zu Schüler*innen, die gerade lebensbedrohlich erkrankt zur Chemotherapie gefahren werden mussten. …

Ich habe mit einigen von Ihnen darüber gesprochen, was dazu beigetragen hat, dass sie jeden Tag neu und zuversichtlich, glücklich in den Tag gehen ließ. Das war nicht jeden Tag für alle der Fall, aber drei Momentaufnahmen, die dazu beitrugen, darf ich hier vorstellen. Vielen Dank schon einmal!

„Ich bin z.Zt. sehr dankbar über die Sonne,..

Kerstin Kolbe-Vennemann, Pastorin am Gymnasium in den Filder Benden, Moers

„Ich bin z.Zt. sehr dankbar über die Sonne, die Telefonate und Gespräche mit Freund:innen und Kolleg:innen. Zu vielen habe ich jetzt nach langer Zeit auch wieder Kontakt aufgenommen, weil es gerade jetzt auch geschenkte, bewusste Zeit ist. Aufgrund meiner Situation des letzten Jahres erlebe ich das noch intensiver. Und ich bin beflügelt, wenn ich auf mein Mountainbike steige. Als Schülerin habe ich mir vorgestellt, Gott sitzt hinten drauf und wir reden. Ich möchte diesen Gedanken gerne wieder mehr verinnerlichen. Und ich habe Bedenken, dass er auf einem E-Bike nicht Platz nimmt, also bleibe ich lieber unmotorisiert und freue mich über meine eigene Energie!

Und ein Lächeln ins Gesicht zaubert mir eines der schönsten Videos, wie ich finde. So erlebt ihr und ich diese Welt gerade eher nicht, und generell müssen wir einiges tun, um diesen Zustand im Video aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen.“

https://7i.fi/GsssR

 

 

„Jeden Tag neu und zuversichtlich in den Tag starten …

von Ina Kiehne, Grundschullehrerin an der Offenen Ganztagsschule Gottfried Kinkel, Bonn-Oberkassel

Wenn ich mir aktuell einen Lieblings-Wochentag aussuchen würde, dann wäre es in jedem Fall der Freitag. Nicht, weil das Wochenende vor der Tür steht, sondern weil wir freitags gemeinsam mit unserem digitalen Morgenkreis in den Tag starten.

Aufbauend auf der Initiative einiger Eltern der Elchklasse (1a) entstand die Idee, den Morgenkreis als ritualisierten gemeinsamen Start in den Schultag im digitalen Raum zu erproben. Wir probierten es ganz einfach aus und es zeigte sich, dass es keine hochtrabende IT-Ausbildung brauchte, um den Morgenkreis auszurichten. Über Zoom trafen und treffen wir uns als Klassenteam (vier Erwachsene) seitdem 1-2 Mal in der Woche mit den Kindern und erzählen, winken uns, sehen einander und erfahren zumindest ein Stück weit Klassengemeinschaft. Unsere digitalen Treffen haben zwei Phasen – den Rahmen bildet der Ablauf des im bisherigen Schulleben analog erlebten Morgenkreises: Es gibt ein Tageskind, welches moderiert, es wird begrüßt, es wird gesungen (der Spaß ist wichtiger als der Anspruch an ein akustisches Meisterwerk) und es wird geschaut, wer alles dabei ist. Ein wichtiger Moment, denn nicht alle Kinder der Klasse nehmen teil. Das hat unterschiedliche Gründe: Nicht in allen Familien besteht z.B. ein Zugang zu einem Endgerät oder die beruflichen Strukturen der Eltern überlagern sich mit den Zeiten des Morgenkreises. Natürlich ist die Teilnahme freiwillig, trotzdem wurde überlegt, wen man über die Schule mit Tablets, o.ä. versorgen kann. Kinder, die in der Notbetreuung sind, werden von der Schule aus dazugeschaltet. Beim gemeinsamen Überlegen, wer fehlt, zeigen sich die Kinder empathisch und sie haben gute Ideen, wie sich bei diesen Kindern gemeldet werden kann (Brief, Anruf, E-Mail, o.ä.). Losgelöst vom Morgenkreis versuchen wir als Klassenteam die Kinder, die beim Morgenkreis nicht dabei sind, telefonisch zu erreichen.

Anschließend wird im digitalen Morgenkreises frei erzählt, und das ist meiner Meinung nach das Wertvollste. Die Kinder können berichten und zeigen, wie der Alltag in einer so ungewöhnlichen Zeit aussieht:  Berichte über die nistenden Meisen im Garten, über kleine und große Lernerfolge, über Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen und vieles mehr. Es kann auch einfach zugehört werden. Das Wichtigste – wir bleiben in Kontakt und spüren, dass wir aneinander denken und weiterhin

„Was macht dich gerade glücklich?"

von Ulrike Wilken, Lehrerin an der Vennbruchschule in Duisburg

„Was macht dich gerade glücklich? Gar nicht mal so einfach, das zu beantworten. Gerade jetzt in dieser Zeit doch eine eher etwas seltsame Frage, auf die man nicht so schnell antworten kann. Worüber freust du dich? Das ist einfacher zu sagen. Damit fängt man vielleicht erst einmal an, bevor man über das Glück in diesen Zeiten spricht. Also, ich freue mich, wenn ich von den Kindern meiner Klasse ihre Hausaufgaben per Foto zugeschickt bekomme. Meist ist eine kurze Nachricht dabei, manchmal sehe ich auch ein Kind, das seine Hausaufgaben stolz vor die Kamera hält. Das ist richtig schön. Man bleibt in Verbindung. Es fühlt sich gut, warm und richtig an. Ich mache gerne weiter…

Weitermachen, nicht immer nur Arbeitsblätter. Das ist langweilig. Eine Geschichte aus dem Lesebuch. Ein Auszug aus dem Buch „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Das gefällt mir. „Ich möchte wissen, was in einem Buch los ist, solange es zu ist. … Da sind Personen, die ich noch nicht kenne und es gibt alle möglichen Abenteuer (…) man kommt in fremde Länder und Städte…“ Leseauftrag: „Male ein Buch mit Personen und Dingen, die aus ihm herausfließen. Auch Wörter und Buchstaben dürfen herausfließen. Male was du in Geschichten gerne magst. Zauberer, Hexen, Pferde, Katzen …“ Ich kann mir die Kinder vorstellen. Sie lesen den Auszug. Überlegen. Was würde ich malen? Es ist eine Sternchenaufgabe, man muss nicht malen. Sie malen im Kopf. Vielleicht auch auf Papier. Ich male auch im Kopf. Mache ich immer, sonst könnte ich mir nicht vorstellen, ob eine Aufgabe überhaupt funktioniert. Ich male weiter… Gemeinsam austauschen kann ich mich mit den Kindern eigentlich nur, wenn ich es selbst ausprobiere… Und dann fange ich an. Erst ein bisschen, dann weiter. Es macht mir Spaß. Schon lange nicht mehr gemacht. Wie nett! Kopf fährt runter… zeichnen, Linien, Gebilde, irgendwie … ich habe Zeit… Wochenplan ist ja fertig, Material zusammenstellt (kurzes Check-up) … ich bleibe dabei… Linien, Gebilde, irgendwie… Es macht mich glücklich.

Irgendwann fertig. Zufrieden.

Ich freue mich auf die Bilder der Kinder. (Ein paar habe ich schon als Foto per E-Mail geschickt bekommen.) Ich freue mich über den Austausch. Was hast du gemalt? Was magst du? War es für dich schwierig? Bilder der Kinder gemeinsam anschauen und darüber sprechen. Ich freue mich darauf.“  Bild

Ich hoffe, dass wir weiterhin solche Erfahrungen machen und teilen, dass wir den besonderen Alltag einer besonderen Zeit, die unserer Lebenszeit an sich ist, zuversichtlich, dankbar, freudig und vielleicht sogar glücklich erleben können.

 „Was macht, dass ich so fröhlich bin ….

Weil mich mein Gott das Lachen lehrt

Wohl über alle Welt“

Der Bereich Lernen in Krisenzeiten ist aktuell ergänzt worden durch Abschiedsimpulse und -gottesdienste. Viele Ideen von Kolleg*innen wurden zusammengetragen, um Ihre schulischen Planungen zu unterstützen.

Herzliche Einladung zu den Online-Cafés dienstags in Essen von 15:00 – 16:30 Uhr und in Duisburg/Niederrhein mittwochs mit geänderter Zeit ab sofort nachmittags von 17:00 – 18:30 Uhr.

Für das Team des Schulreferates

Jan Christofzik