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Bild: Hanna Sauter-Diesing

"Angst essen Seele auf"

 

Liebe Kolleg*innen,

passt Angst in eine Skala? Der neue Angstindex über die Ängste der Deutschen erscheint jeden September: „Wovor fürchten sich Deutsche am meisten?" Jede Menge Statistiken aufbereitet in Schaubildern. Gesamt gesehen, laut der Zeitung „Die Zeit“, sind wir so gelassen wie seit 30 Jahren nicht mehr. Nach der Studie sorgen wir uns momentan am meisten um die Politik von US-Präsident Trump und den Wohlstand.

Interessant sind diese grafisch schön aufbereiteten Tabellen. Nur: passt Angst in eine Skala? Lässt sie sich in einer Statistik unterbringen, gar entsorgen? Was besagen „Angaben in Prozent"? Ich kenne Ängste anders:
nicht in Prozent, sondern als Herzrasen,
nicht als eingefärbter Balken, sondern nachts wach liegen,
nicht auf Platz 8, sondern sich nicht an den Briefkasten trauen.

Angst heißt:  Wir können kaum noch etwas anderes denken. Wir geraten in einen Strudel. Wir sind gefangengenommen.  Angst erlebe ich psychisch und physisch – eine große Kraft. „Angst essen Seele auf", so heißt ein Film von Rainer Werner Fassbinder. Wir kennen es selber, wie erleben es in unseren Schulen bei den Schüler*innen, Kolleg*innen und Eltern. Da geht es um die Angst vor nicht durchgeführter Hygiene, um die Angst vor Bildungsbenachteiligung auch des eigenen Kindes, um die Angst eines weiteren Lockdowns bzw. Schulschließung. Und das ist nur die Spitze: Es geht ja auch um die Angst vieler Familien um den Arbeitsplatz, die Wohnung, die Angehörigen und vieles mehr. Das wirkt sich auch auf unseren Schulalltag aus. Sollte ich mehr der Statistik vertrauen oder meiner Wahrnehmung? Was wäre ein Leben, das nicht von Angst dominiert wird - sondern wo Angst als ein nützlicher Ratgeber funktioniert? Ein Leben, das „vom Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ beherrscht wird, ein Geist, der uns geschenkt ist (1. Timotheusbrief 1,7).

In der Bibel steht: Der Geist der Kraft ist schöpferisch. Er liebt es, neue Anfänge zu machen, Brücken zu bauen, Abgründe zu überqueren. Er lässt sich von alten schlechten Erfahrungen nicht einschüchtern.
Der Geist der Liebe bewegt Menschen, aufeinander zuzugehen, auch Ängste zu teilen. Verschlossene Gesichter öffnen sich, Gespräche beginnen: so lässt sich die Welt verändern.
Der Geist der Besonnenheit schafft Luft im Streit, verlangsamt die Gedanken, wägt Optionen ab. Er schärft alle Sinne. Ihm gelingt es, miteinander eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Drei gegen einen! Der Geist der Kraft, der Geist der Liebe, der Geist der Besonnenheit, von Gott gegeben, in Jesu Leben nachvollziehbar. Aber dem oft so übermächtigen Geist der Angst ist mit weniger nicht beizukommen.
Wenn sich dann die Drei gegen den einen Geist - der Angst - verbünden, sind auf einmal neue Gedanken da, die Beklemmung weicht - und wir stehen auf. Die ersten Christen und Christinnen haben diese Erfahrung Ostern genannt. Und unsere Angst bleibt ein nützlicher, aber nicht übermächtiger Ratgeber für unsere Seelen, eine produktive Kraft.                      

Welches Leben möglich ist in Gottes Geist, das können und dürfen wir den Schüler*innen als Perspektive eröffnen.

In diesem Monat werden wir Herbstferien haben, eine kleine Pause in dem Alltagstrubel. Auch hoffentlich Zeit für Sie, abzuschalten, sich besinnen zu können auf das, was in Ihrem Leben wichtig ist, neue Kraft und Kräfte schöpfen können auch für die Schule.  Anregungen und Perspektiven finden Sie in unserem Fortbildungsangebot und auf unserer Homepage. Neu ist hier eine Kachel "Fortbildungen für Kurzentschlossene“ zur leichteren Orientierung und für Kurzentschlossene, „Gerade Jetzt!“ als eine kleine Argumentationshilfe und Vergewisserung, warum Religionsunterricht gerade jetzt wichtig ist, sowie „Ein Glas mit Scham“ ein Bericht vom Neujahrsempfang Anfang September.

Und so wünschen wir Ihnen: Viel Kraft, gute Ratgeber und erholsame Herbstferien!      

Für das Team des Schulreferats, Hanna Sauter-Diesing.