Um miteinander in Kontakt zu bleiben...

Foto: Jan Christofzik, Vor Wochen hatte ich Ihnen von dem Rotkehlchen im Carport berichtet. Es kommt, seit ich in den Ferien viel Zeit hatte im Garten zu sein, auf Armlänge heran. Hatte ich einen wohl leckeren Happen auf der Hand, pickte es ihn sogar herunter. Eine Spinnenart schien besonders gut zu munden. Das Angebot wurde immer angenommen.

„Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“

Lehrtext vom 27.04.2020

Liebe Kolleg*innen,

die siebte Woche nach dem Beginn des Lockdown hat begonnen und mit ihr die zweite Woche der weiteren Öffnungen verschiedener Einrichtungen. Der Unterricht kehrt teilweise in die Schule zurück und dies soll und wird zeitnah ausgeweitet werden.

Die zurückliegenden Wochen haben für einen Teil von uns zu einer gewissen Entschleunigung geführt – in den Osterferien ganz bestimmt. Vor den Ferien allerdings haben Sie als Lehrer*innen viel gearbeitet, um digital das Lernen der Schüler*innen anzuregen, zu unterstützen und zu begleiten. Eltern waren zunehmend am Fortschritt ihrer Kinder interessiert und beteiligt – wie hatten wir eben dies vermisst, als alles noch normal war. Und so ging es in der vergangenen Woche nach den Ferien weiter – Eltern wurden zu Lernbegleiter*innen Ihrer Schüler*innen. Haben nun Sie bei diesen Eltern angerufen und nachgefragt, was das Kind denn schon alles kann, wie es sich so macht, …. ? Da hat sich doch vieles verkehrt. Ich hoffe, es gibt noch etwas dazwischen und wir finden gemeinsam den richtigen Weg, den Kindern bzw. Jugendlichen Mut und Freude am Entdecken von Neuem zu machen.

Wie geht es Ihnen persönlich? Halten Sie die möglicherweise erlebte und wohltuend empfundene Entschleunigung durch? Beim Jäten dachte ich viel über die Balance zwischen ungewohnten Arbeitsanforderung und verändertem Lebensalltag nach. Jetzt frage ich Sie auf diesem Weg, was Ihnen aktuell guttun würde, womit wir Sie ggf. unterstützen können. Wie ermutigen Sie Ihrerseits die Schüler*innen aller Altersstufen, hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass schon vor Corona Schüler*innen nicht alle die gleichen Chancen hatten. Wer müsste also besonders unterstützt und gefördert werden, damit sie / er nicht verloren geht? In der vergangenen Woche las ich in einem Leserbrief: „Die Kinder aus bildungsnahen Elternhäusern oder die starken Schüler*innen haben mit dem Home-Schooling zumeist weniger Probleme. Die Kinder, die in der Krise noch stärker „abgehängt“ werden, sind die schwächeren, weniger motivierten etc.. Warum schicken wir nicht diese in Kleingruppen zuerst in die Schule? Jede Grundschullehrerin, jeder Lehrer könnte seine Kandidat*innen benennen. Warum nicht endlich das nachvollziehen, was alle Studien belegen, nämlich den schwächeren Schülern eine intensive Betreuung zu geben und damit eine Chance? Oliver Locker-Grütjen, Mülheim“ (NRZ  22.04.2020) *

Ich habe in den vergangenen Tagen gehört, dass viele von Ihnen ein Augenmerk auf eben diese Schüler*innen hatten und haben, die zu Hause vorher schon und auch jetzt keine Lernbegleiter, kein Equipment zum digitalen Lernen … haben. In der Theologie der Befreiung wurde die vorrangige Option Gottes für die Armen in den Vordergrund gestellt und u.a. deren Bewusstsein geschätzt, geliebt zu sein und handlungsfähig werden zu können, gestärkt.

Lassen Sie uns bitte weiter gemeinsam darauf achten, dass schon vorhandene Risse in der Gesellschaft in dieser Zeit nicht größer werden.

Bleiben Sie hoffnungsvoll! Sie dürfen sich unserer Unterstützung gewiss sein!

Gerne laden wir Sie ein die Online-Cafés  dienstags von 15:00 - 16:00 Uhr oder mittwochs von 11:00 – 12:30 Uhr zu besuchen. Weitere Informationen finden Sie dazu unter Einladung zum Online-Café. Denken Sie bitte daran, dass eine Anmeldung nötig ist.

Weiterhin steht Ihnen laufend ergänztes Material unter Lernen in Krisenzeiten zur Verfügung.

Für das Team des Schulreferates

Jan Christofzik

 

* Dr. Oliver Locker-Grütjen ist Präsident der Hochschule Rhein-Waal