Um miteinander in Kontakt zu bleiben...

 „Alles hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ Kohelet 3,1

 

 

 

Liebe Kolleg*innen,

Wenn Corona ein Ort wäre, wäre es dann ein „Unort“, so wie die Drachenstadt aus Jim Knopf, Mordor bei Herr der Ringe oder Gilead in The Handmaid`s Tale? Im Gegensatz zu den Orten, wo wir vertraut und zuhause sind - wieder literarisch betrachtet -Lummerland, Auenland oder ein imaginäres Kanada?

Für mich wirkt Corona aus Zeit und Raum gefallen, ein „Nicht-Ort“. Nach Marc Augé sind Nicht-Orte diejenigen, die nicht als Orte wahrgenommen werden, wie Transitbereiche, große Straßenkreuzungen oder auch Supermärkte. Für einige mag so ein Ort mit persönlichem Erleben verknüpft sein, aber die meisten Menschen vergessen diese Orte schnell.

Wird Corona - ähnlich wie ein Nicht-Ort – eine „Nicht-Zeit“? Und wäre das schlimm?  Haben wir doch andere Pandemien (im Gegensatz zu Attentaten) schnell wieder vergessen, gerade auch im kollektiven Gedächtnis. Keine Pandemie war im Erleben heute lebender Menschen so dramatisch wie Corona – doch kann ich mich auch nicht entsinnen, dass mir von vorherigen Pandemien (wie der Spanischen Grippe) Verwandte erzählt hatten, obwohl auch hier Todesopfer in der Familie zu beklagen waren. Die Pest als mittelalterlicher dunkler Schrecken fällt mir als einzige Pandemie (wobei es ja nicht eine, sondern viele gab) in unserem gemeinsam erzählten Gedächtnis ein.

Corona-eine „Nicht-Zeit“? Der Wunsch nach möglichst schneller und vertrauter Normalität ist gesund und verständlich. Doch haben wir miteinander und auch mit uns selber Erlebnisse und auch Grenzen erfahren, die uns weiter prägen werden.

Im Onlinecafé letzter Woche ging es auch darum:

die Hilflosigkeit, wenn immer wieder neue Verordnungen kommen, Plan A und B in den Papierkorb wandern, weil plötzlich Plan Y verlangt wird;

das Bedürfnis nach (auch analoger) Kommunikation auf Augenhöhe;

die Unruhe, dass Corona oft auch ein Rückschritt aufzeigt: in Bezug auf der Gerechtigkeit im sozialen Gefüge, bei Bildung, nach Geschlecht, Familienstand und nach Alter. Und die anschließende Frage nach unserer Bildungsverantwortung bezüglich dieser Problemstellungen;

die Erschöpfung, weil ein Ende im Sinne von „Alles wie vorher“ nicht in Sicht ist;

die Frage nach eigenen unaufgebbaren pädagogischen Essentials (das war Thema in einem anderen Webinar).

Der gemeinsame Austausch, das Nachfragen und Einordnen und die fachlichen Inputs haben uns dabei unterstützt, individuell unseren Ort zu finden. So wird aus einer „Nicht-Zeit“ kein „Un-Zeit“ sondern eine „Zeit“.

 Wir möchten Sie weiterhin unterstützen in Ihrem Einsatz und Ihrem Engagement, um diese Wochen und Monate auch als gefüllte und Sie erfüllende Zeit für sich und die Schüler*innen zu gestalten. Denn auch das hat seine Zeit und seinen Ort.

Für unser Schulreferat haben wir überlegt, was wir weiterführen, mitnehmen wollen aus dieser Zeit. Vieles werden Sie dann in unserem neuen Programm – auch in einem neuen Format - ersehen. Anderes – wie zum Beispiel der wöchentliche Gruß – werden wir in anderen Intervallen weiterführen.

In der kommenden Woche findet aus unserer Reihe: Verschwörungsmythen und Verschwörungstheoriendas letzte Webinar statt und wir laden auch wieder zum Onlinecafé(das letzte vor den Schulferien) ein. Zu Einschulungs-und Beginngottediensten werden in der nächsten Woche einige Beiträge auf unsere Homepage eingestellt. Vieles aus dem bereits vorhandenen Material der Abschlußgottesdienste kann aber auch für den Beginn übernommen werden.

So wünsche ich Ihnen Ihre „Zeit“ und den kraftspendenden Segen Gottes für die kommende Woche,

Für das Team des Schulreferats

Hanna Sauter-Diesing

 

Foto: Hanna Sauter-Diesing