Monatsgruß im Februar

 

„Herr, ich werfe meine Freude
wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert
und ich freue mich am Licht.
Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt,
was da um uns ist an diesem Morgen,
das ist Dank.“

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ist dieser Teil eines westafrikanischen Gebets nicht wunderschön?

Er begleitet mich schon seit sehr langer Zeit. Dieser tiefe Dank für die Schöpfung, für das Leben, für die Lebendigkeit!

Fragen Sie sich: „Wieso gerade jetzt, angesichts von Corona – solch ein fröhliches, von tiefem Glauben geprägtes Gebet an dieser Stelle?“

Weil ich es leid bin!!!

Ich möchte endlich mal nicht die Corona-Epidemie und ihre Auswirkungen in den Mittelpunkt meiner Gedanken stellen.

Unser Leben ist so viel mehr als die Auseinandersetzung mit der Macht des Virus. Es verleitet uns dazu wie die Schlange auf dieses Ungeheuer zu starren.

Wie verlockend erlebe ich es dagegen mit dem Beter auf die Schönheit der Schöpfung zu schauen, mich von ihr erfüllen und leiten zu lassen.

Das hat nichts mit Flucht vor der Realität zu tun.

Nein!

Es hat damit zu tun, die facettenreichen Nuancen in unserem Dasein wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Und – ich bin ehrlich – auch mit der Sehnsucht nach Leichtigkeit und Lebensbejahung; sich selber zu gestatten, sich an Banalitäten und kleinen Begebenheiten zu erfreuen.

An einer kleinen Szene möchte ich Sie teilhaben lassen:

Meine Tochter hat für ihre drei Kinder (zwei Töchter, ein Sohn) das Mittagessen vorbereitet. Unter anderem gab es selbstgemachte Rösties, nicht unüblich in der Schweiz.

So entwickelte sich das Gespräch:

1.Tochter: Mami, guck mal, was ist das Dunkle?

Mutter: Ein kleines Stück Kartoffelschale. Tu`s an den Rand.

2.Tochter: Sind da Kartoffeln drin!?!?

Oh, Mann!

Als meine Tochter mir per WhatsApp dieses Gespräch schickte, habe ich ganz unbeschwert lachen können, fand ich doch den Alltagsspott (Die zweite Tochter mag eigentlich keine Kartoffeln oder Variationen aus Kartoffeln – außer natürlich Pommes) höchst amüsant.

Auch solche Szenen gehören zu unserem Alltag und lassen uns alles Schwere für einen Moment vergessen.

Kennen Sie das auch? Sich überraschen zu lassen von solch kleinen unerwarteten Momenten? Geben wir genau diesen Spots die Macht, uns nicht nur bedrückt zu fühlen und nicht nur sorgenvoll in die Zukunft zu blicken!

Ich wünsche Ihnen, liebe Leser*innen, dass auch Sie solche Erlebnisse haben und sie vielleicht sogar mit der Familie, Freunden oder im Beruf teilen können.

Sicherlich fallen Ihnen auch bei Ihren Schüler*innen solche „Mini-Komik-Situationen“ ein.

Ich glaube, wenn wir uns ihnen öffnen und uns darauf einlassen können, dann gibt es Hoffnung und Freude.

Ich habe mir fest vorgenommen, solche Erinnerungen wach zu halten und mir Zeit zu nehmen, ihnen Raum zu geben, diese positiven Gedanken großwerden zu lassen.

Dann können wir – ähnlich wie unser Beter-mit Freude auf Gott schauen, uns auf unsere Mitmenschen einlassen und auch unsere Vögel fröhlich und zuversichtlich an den Himmel zu werfen.

Ich wünsche Ihnen einen stressarmen Februar – und bleiben Sie gesund!

Für das Team des Schulreferats

Bärbel Melnik